Wie weit darf ein Fetisch gehen?

Dass Erotik keine Grenzen kennt, wissen wir alle. Aber was ist heute noch normal und was nicht? Und wie weit darf eigentlich ein Fetisch gehen?

Wie weit darf ein Fetisch gehen?
Wie weit darf ein Fetisch gehen?

Bei einem Streifzug durch das erotische Internet fiel uns auf: Erotik ist nicht grenzenlos! Neben gesetzlichen Bestimmungen gibt es immer wieder Diskussionen über ethische und moralische Grundzüge, die dem Einen oder Anderen die Lust an mancher Art der Sexualität nehmen. Doch wo kann man eine Grenze ziehen? Was ist noch normal und was ist unnormal?

Über Suchmaschinen findet man alles

Wer viel surft und dabei auch keinen Bogen um Erotikseiten macht, hat sicherlich schon so einiges gesehen, was ihn angewidert hat oder wo er einfach schnell weggeklickt hat, um mit dem Thema nichts zu tun haben zu müssen. Über Suchmaschinen findet man alles, sogar Tierpornografie und Kinderpornografie sind für jeden erreichbar. Dass diese Seiten verboten gehören, darüber brauchen wir wohl nicht zu sprechen. Aber was ist mit den ganzen anderen Dingen, mit den Fetischen und ähnlichem?

Wie weit darf ein Fetisch gehen?

In einem Erotikforum stießen wir über einen interessanten Beitrag. Ein Paar, das offenbar Spaß an der erotischen Fotografie und Bildbearbeitung hat, startete dort einen Beitrag zum Thema Uniform-Fetisch. Die Frau steckte dabei in einer Uniform-Jacke, trug die passende Mütze dazu und ansonsten nur Strapse und High-Heels. Ein sehr ansprechendes und erotisches Bild, wie wir fanden. Das Bild wurde aber sichtlich bearbeitet, denn der Hintergrund des Fotos zeigte eine lange Gasse, die auf einer Seite von einem Stacheldrahtzaun umgeben war. Von dem Stacheldrahtzaun ging noch eine Leuchte ab. Man sah dem Hintergrund an, dass er aus einem älteren Bild herausgenommen war. Wir achteten nicht weiter drauf, doch später schauten wir es uns noch einmal genau an.

Der Grund dafür war einfach, denn ein anderes Mitglied des Forums kannte den originalen Hintergrund scheinbar. Wenn er auch etwas verfremdet war, so erkannte das Mitglied darin ein Bild von Auschwitz. Nach einigen Recherchen war das Original gefunden und es handelte sich tatsächlich um die geschichtsträchtige Location, die eigentlich nicht gerade erotische Assoziationen weckt. Die Frage war nun: Ist es moralisch vertretbar, so einen Hintergrund mit Erotik in Verbindung zu bringen?

Wir wissen es nicht und anscheinend weiß es auch in dem Forum niemand, denn die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Besonders toll findet das niemand, doch wo zieht man eine Grenze? Ist das nicht ganz einfach eine Toleranzfrage? Ein Forenbesucher, der sich nicht eingehend mit dem Thema Auschwitz beschäftigt hat, würde in diesem Hintergrund nie das erkennen, was es ist. Er sieht es einfach als passendes Gimmick für das Foto und denkt sich nichts weiter dabei. Ein anderer, der die Thematik besser kennt und eventuell sogar Angehörige in Auschwitz verloren hat, kann sich durch diese Fotomontage aber doch schon sehr gestört fühlen. Wie die Diskussion um das Bild enden wird, ist aber bisher noch nicht abzusehen.

Gerade beim Fetisch fehlt oft die Toleranz

Es gibt aber noch viele andere Bereiche, wo die Moral eine große Rolle spielt. Gerade beim Fetisch fehlt oft die Toleranz, um Dinge einfach so zu akzeptieren, wie sie sind. Vorlieben wie Nylon, Lack und Leder oder ähnliches gehören heute eigentlich schon zu den normalen Dingen in der Sexualität und werden von allen anerkannt. Nicht jeder steht darauf, aber es ist zumindest nichts Abartiges dabei. Anders sieht es da schon bei Natursekt (Urin) aus, einige werden dadurch sexuell erregt, andere finden es abstoßend. Doch spätestens bei Fetischen wie Kaviar (Kot) ist es bei den meisten mit der Toleranz vorbei.

Und wieder kann man sich jetzt fragen: Warum? Anscheinend haben einige Menschen Spaß daran, sie tun es im gegenseitigen Einverständnis und somit müsste doch eigentlich alles in Ordnung sein, oder? Es ist aber alles andere als das, denn unsere anerzogene Moral verbietet uns, solche Vorlieben zu akzeptieren. Wir haben alle unbewusst gelernt, dass so etwas Pfui ist und deshalb können wir Menschen, denen es gefällt, nicht verstehen und auch nicht akzeptieren.

Viele können spezielle Vorlieben einfach nicht akzeptieren

Wenn man aber mal ein wenig weiter zurückschaut, dann stößt man auch auf das Thema Homosexualität, mit dem heute der Großteil der Gesellschaft ganz normal umgeht. Es ist aber gar nicht so lange her, da trauten sich zumeist männliche Homosexuelle nicht, sich zu outen. Die Gesellschaft hat sie oft ausgestoßen, für krank oder verrückt erklärt. Es gab sogar bis vor gar nicht all zu langer Zeit noch ein Gesetz, welches die Homosexualität verboten hat. Kaum vorstellbar, oder?

Wenn wir dieses Beispiel aber nun nehmen und in Bezug auf Fetische, die wir abartig finden, mal einige Jahre weiter denken, wie wird es dann sein? Werden diese Fetische dann normal sein? Werden dafür andere Sachen wieder als abartig betitelt? Und wie stehen wir dann den anderen Sachen gegenüber? Die Fragen sind gar nicht so einfach zu beantworten, denn wie wir Dinge sehen, das bestimmt größtenteils unser Umfeld und unser eigener Geschmack.

Was geht uns die Sexualität der anderen an?

Neulich hatte ich auch ein sehr interessantes Gespräch mit einem 19-jährigen Mädchen. Sie hatte gerade erst entdeckt, dass sie devot veranlagt ist. Als sie es für sich merkte, war sie sehr überrascht darüber. Sie ekelte sich schon fast vor sich selbst, da sie auch bei Schmerzen Lust empfand und war geradezu verstört. Akzeptieren konnte sie es nicht. Im Laufe des Gesprächs erfuhr ich dann auch, warum sie das nicht konnte. Sie hatte sich einer Freundin anvertraut und wurde von ihr sofort als krank und pervers bezeichnet. Dann hatte sie sich anonym im Internet mit der Sache beschäftigt und wurde auch wieder von vielen Leuten beschimpft. Erst als sich eine andere Frau bei ihr meldete und ihre eigene Geschichte erzählte, begriff das Mädchen, was da in ihr vorging.

Jetzt ist sie gerade dabei, ihre eigene Sexualität kennen zu lernen. Sie testet aus, was ihr Spaß macht, was ihr Lust bringt und wo ihre persönlichen Grenzen liegen. Und das erste Mal seit langer Zeit kann sie den Sex genießen, fühlt sich wohl dabei und ist glücklich. Gerade das gab mir zu denken und ich kam zu einem Schluss: Ich will nie wieder über Leute aufgrund ihrer sexuellen Orientierung urteilen. Solange sie die Form der Sexualität freiwillig ausüben, niemandem körperlich oder seelisch schaden und vor allem damit glücklich sind, toleriere ich es einfach und mache mir höchstens selbst Gedanken darüber, ob ich persönlich auch etwas damit anfangen könnte.

Vielleicht sollten wir das alle so probieren, dann würde es weniger Leute geben, die wie das junge Mädchen verstört sind, nur weil ihre Neigungen etwas von der Norm der Gesellschaft abweichen. Und mal ganz ehrlich: Was geht uns eigentlich die Sexualität der anderen an? Wenn es uns nicht gefällt, was die dort so tun, dann können wir doch einfach wegschauen, oder?

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1 Kommentar

  1. Ich wollte mich beim Author für diese wirklich höchst angenehm zu lesende, sehr gut erklärte und der Seele eines einen Fetisch besitzenden Menschen WOHLtuenden Worte herzlich bedanken!! – Bei mir ist der Fetish das laszive Rauchen bei jungen, attraktiven Frauen. Gerade jetzt in der Zeit in der Nichtraucherschutz zur regelrechten Massenhysterie ausartet und Grund jeder Krankheit typischerweise vom Rauchen stammen MUSS, ist dieser, wenn auch höchst sinnliche Fetish starker Konfrontation ausgesetzt. Ich freue mich das es liberale Menschen wie hier gibt, die der allg. Fetischen (fälschlich) nachgesagten Paraphilie (Fetish angeblich = Sexualstörung) bzw. völligen Falschmeinung mit super-Argumenten entgegenwirken!! DANKE DANKE DANKE!!!

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