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Wo bleibt die Lust?

Lustlosigkeit war bis vor einigen Jahren als typisches Frauenproblem diskutiert. Dabei sind immer mehr Männer mit der Lustlosigkeit im Bett vertraut.

Wo bleibt die Lust? "Gute Nacht, Schatz", er stellt den Wecker auf sechs Uhr, löscht das Licht und dreht sich um. Sie liegt schlaflos, starrt in die Dunkelheit und fragt sich, was mit ihm, mit ihr oder mit ihnen beiden eigentlich los ist. Spätestens beim nächsten Treffen mit den Freundinnen kommt der Frust endlich raus unverblümt, verzweifelt, ratlos. "Wir schlafen nur alle sechs Wochen miteinander. Die ersten Monate war es noch täglich und wurde dann mit der Zeit immer seltener. Er ist andauernd müde.“

Was läuft zwischen ihnen beiden schief? Sie sind ja erst drei Jahre und nicht dreißig zusammen. Die Erregung der ersten Monate, die Lust, es überall zu treiben, ist im Sande verlaufen. Abends liegen sie stumm neben einander in Bett, sie mit einem Buch, er mit einer Zeitung in der Hand. Dann wünscht man sich „Gute Nacht“ und am nächsten Tag bleibt das allabendliche Ritual unverändert. Was ist von der Liebeslust der ersten Wochen geblieben? Eigentlich ist die Liebe ja noch da. Die Nähe, die guten Gespräche, das Kuscheln - das alles stimmt doch noch. Aber das ist allerdings auch schon alles. Jeden Abend schließt sie die Augen und träumt von den alten Zeiten, vom Anfang mit ihm, von ihrem wilden Sex am Strand, oder beim Dinner im Haus seiner Freunde, als er es kaum aushalten konnte und sie es gleich im Bad auf dem kleinen Teppich getrieben haben.

Was sind die Gründe?
Männer erreichen den Höhepunkt ihrer sexuellen Potenz mit siebzehn, Frauen hingegen gegen Mitte dreißig. Das Leiden in einer Partnerschaft fängt immer dann an, wenn in den Bedürfnissen beider ein Ungleichgewicht entsteht, wenn einer von beiden mehr will als der andere.

Die Erwartungshaltung unserer Gesellschaft ist in Sachen Sexualität inzwischen sehr hoch und das nicht nur bei Frauen – Filme, Internet, Werbeplakate, Zeitschriften - auch Männer werden zunehmend mit perfekten Körpern konfrontiert. Da steht ein ganz normaler Mann zu Hause vor dem Spiegel, sieht seinen kleinen Bauchansatz, seine wenig muskulösen Arme, sein schütteres Haar und fühlt sich plötzlich unsexy. Das blockiert einen und macht es schwer, das Verlangen nach Sex zu verspüren und auszuleben. Bei vielen Männern entsteht so die Angst, den Erwartungen der Frau nicht gerecht zu werden.

Auch der Erfolgsdruck im Beruf, mit dem sowohl Frauen, als auch Männer heute zunehmend konfrontiert sind, verstärkt die Unsicherheit. Die daraus resultierenden Anspannung und Verkrampfung wirken sich auf das Sexualleben unmittelbar aus.

Gibt es eine Lösung?
In manchen Fällen ist es sogar ratsam, wenn die Frau beharrlich bleibt und sich nach ein paar erfolglosen Annäherungsversuchen nicht gleich verunsichern lässt. Der größte Fehler in einer solchen Situation ist, die Anspannung, die durch die sexuelle „Funkstille“ zwischen den Partnern wächst, nicht abzubauen und sich über die eigenen Bedürfnisse auszuschweigen. Nehmen Sie sich also Zeit und Muße für ein solches Gespräch und achten Sie darauf, dass Sie dabei nicht gestört werden.

In einer Beziehung kann man nicht von einem „normalen“ oder „richtigen“ sexuellen Rhythmus ausgehen. Damit setzen sich die Partner nur zusätzlich unter Druck. Die Häufigkeit ist für jedes Paar eine sehr individuelle Frage - schließlich geht um die Qualität, nicht um Quantität. Am besten orientieren Sie sich nicht an den Statistiken über die sexuelle Aktivität anderer, sondern versuchen, Ihre eigene Geschichte zu schreiben, Ihre eigenen „Standards“ zu entwickeln. Kuscheln Sie viel mit Ihrem Partner und setzen Sie sich nicht dem Zwang aus, immer auch miteinander schlafen zu müssen. Vermeiden Sie Selbstzweifel und arbeiten Sie stattdessen an Ihrem Selbstbewusstsein, indem Sie sich auf Ihre Qualitäten und Fähigkeiten besinnen. Denn die eigene Zufriedenheit ist die beste Vorraussetzung für partnerschaftliche Sexualität.

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