Kondome – Keins wie das andere
Was ist der Unterschied zwischen einem Kondom und einer Bratwurst? Die Entwicklung der Bratwurst hat mit Därmen geendet, bei Kondomen hat sie damit angefangen. Scherz beiseite, denn so widerlich es auch klingen mag, die ersten Kondome bestanden aus Ziegendärmen und haben im Laufe der Jahrhunderte zum Glück für uns alle einen wesentlich appetitlicheren Zustand angenommen. Und dennoch, kein Kondom gleicht dem anderen. Trotz Massenproduktion gibt es zwischen den einzelnen Produkten – zeitweise auch innerhalb der gleichen Produktionskette – gravierende Unterschiede. Die Vor- und Nachteile sind dabei meist geschmacklicher Natur. Ob eng anliegend oder eher lockerer Sitz, ob Bananengeschmack oder doch lieber Erdbeere – für jeden Wunsch scheint das Passende dabei zu sein. Daher widmen wir uns in diesem Test einer Vielzahl von Varianten, die nicht immer nur bierernst daher kommen.
Die Standardkondome des geschmackssicheren Europäers sind sicherlich die „Nature“-Produkte aus dem Hause Condomi. Die 18,5 Zentimeter langen und 0,5 Zentimeter breiten „Lümmeltüten“ sind aus Naturkautschuklatex hergestellt und sind mit dem CE-Siegel der europäischen Union versehen. Die Gebrauchsanweisung ist in sieben Sprachen gehalten und weist sogar darauf hin, dass bei Gebrauch nur Gleitgel auf Wasserbasis verwendet werden soll, wie es bei diesem Material zwar üblich, aber nicht immer bekannt ist.
Im Praxistest zeigten die Kondome einen angenehmen, jedoch sicheren Sitz und zeigten sich sehr rutschsicher. Im Geschmack waren sie sehr neutral und eigneten sich hervorragend zum Oralsex. Der Eindruck, einen Autoreifen zu verwöhnen, gehört damit wohl der Vergangenheit an. Für sorglose Nächte ein Muss.
Die „Secura Blue Fantasy“ – Kondome halten sich dagegen bei der Geschmacksneutralität weitestgehend zurück. Hier gilt das Motto: „Fruchtkaugummis schmecken halt besser als reines Gummi.“ Das stimmt insofern, dass der unangenehme Latexgeschmack durch das vom Hersteller benannte Tutti-Frutti-Aroma eben diesen Lustkiller völlig ausmerzt. Dafür tritt ein Aroma an dessen Stelle, das für viele Menschen zunächst einmal hochgradig gewöhnungsbedürftig sein wird. Davon abgesehen handelt es sich durchaus um kein schlechtes Produkt. Der Sitz ist angenehm, sicher und nicht zu eng und kann mit den oben beschrieben Condomi-Produkten mithalten. Was allerdings die Verpackung betrifft, können Zweifel aufkommen. Sie ist klein und steht in keinem Maß zum Kondom selber. Reißt man die Hülle auf, wird man mit der Tatsache konfrontiert, dass das Kondom regelrecht dort hinein gestopft wurde. Auf diese Weise können gerne mal Schäden entstehen, die der Familienplanung ins Handwerk pfuschen.
Jetzt wird es schon etwas wilder. Ebenfalls von der Firma Secura sind die „Nougatti Schokokondome“. Neugierig geworden? Dann das Langweilige vorne weg. CE-Siegel und Gebrauchanleitung in verschiedenen Sprachen sind vorhanden, die Gleitfähigkeit ist akzeptabel und die Verpackung wieder zu eng geraten. Doch was ist nun mit dem Geschmack? Überraschung! Nach dem Öffnen der Verpackung überkommt einen das Gefühl, eine Tafel Schokolade geöffnet zu haben. Der typische Geruch legt sich sofort in die Nase und animiert zum Reinbeißen. Also Vorsicht beim Oralverkehr! Auf der Zunge gibt sich dieses Gefühl aber erst einmal. Da ist nicht mehr viel von der Schokolade zu schmecken, obwohl der Duft weiterhin vorhanden ist und der üble Latexgeruch in das Reich des Vergessens verschwindet. Für Nachkatzen, die eine Abwechslung bevorzugen, durchaus eine empfehlenswerte Alternative.
Ein Versuch, es allen recht zu machen, unternahm die Firma Condomi mit einem 21-teiligen Sortiment der Marke „Billy Boy“. In ihm findet man jeweils drei rote, gelbe, grüne blaue, schwarze, extrafeuchte und genoppte Latexkondome. Auf der Gebrauchsanweisung ist ebenfalls der Hinweis enthalten, nur Gleitgel auf Wasserbasis zu benutzen, jedoch nur auf Deutsch. Im Praxistest schnitten gerade die farbigen Kondome weit unter Durchschnitt ab. Der Geschmack war sandig und durch die unzureichende Gleitfähigkeit entstanden in der ersten zeit nach dem Eindringen auch nicht selten Schmerzen. Die extrafeuchten Kondome waren da schon besser, jedoch war auch dort die Gleitfähigkeit eher normal durchschnittlich. Die genoppten Exemplare waren die einzige positive Überraschung in diesem Sortiment, sorgten sie zumindest bei IHR für eine zusätzliche Stimulans. Insgesamt rochen alle Produkte durch die Bank weg sehr streng nach Latex und gehören damit eher in die Kategorie „Autoreifen“.
Man sieht, Kondom ist nicht gleich Kondom. Der Mainstream hält nicht immer das, was er verspricht, und die ausgefallenen Artikel haben auch schon mal ihre Macken. Dafür ist das Sortiment aber extrem breit gefächert und wortwörtlich für jeden Geschmack etwas dabei. Wofür man sich im Endeffekt entscheidet, bleibt jedem selber überlassen, nur eines scheint sicher: Die Ziegendärme sind definitiv vom Markt verschwunden.
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